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Situation in Rumänien

Korruption ist auf allen Ebenen Alltag in Rumänien. Korruption und Amtsmissbrauch gelten als strukturelles Massenphänomen. Gründe hie für sind die verbreitete Armut der Bevölkerung, die Unterbezahlung der öffentlich Bediensteten, sowie die noch immer instabile Gesetzeslage und insbesondere die Selbstbereicherungsmentalität der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Der vorsichtige Optimus unmittelbar nach dem EU-Beitritt für einen Reformprozess hat sich leider nicht als richtig erwiesen. Schon bald musste die EU-Kommission Stagnation und Rückschritte im Reformprozess feststellen. Rumänien zeige nicht genügend politischen Willen zur Unterstützung des Reformprozesses, mehr Einsatz im Kampf gegen Korruption sei nötig. Wann dieser Reformprozess abgeschlossen sein wird, lässt sich nicht sagen, insbesondere auch deshalb, weil die Chefin der Antikorruptionseinheit der Staatsanwaltschaft Laura Corduta Kovesi im Juli 2018 auf Druck der Regierung durch den Staatspräsidenten entlassen werden musste. Korruption ist schon lange ein Teil der rumänischen Gesellschaft. Das ist traurig aber nach wie vor die Realität!

Die Korruption hat starke Auswirkungen auf das Leben und Sein der in Rumänien lebenden Menschen. Das System produziert einen riesigen Unterschied zwischen reichen Menschen, die von der Korruption profitieren, und der armen Bevölkerung.

Die gesamte Infrastruktur, wie Strassen, Kanalisationen, Busse, Trams, Züge, Bauten und vieles mehr, ist mehr als sanierungsbedürftig und funktioniert teilweise nicht mehr. So hatte ein Teil von Bukarest im Januar 2021 infolge einer veralteten maroden Wasserleitung kein warmes Wasser mehr, sei es zum Duschen oder Heizen. Das Gesundheitswesen ist marod und veraltet. Rumänien investiert so wenig wie kein anderes Land in der EU für Gesundheit. Die geringen zur Verfügung stehenden Mittel haben weitreichende Konsequenzen: Mangelnde technische Ausstattung in Krankenhäusern und veraltete Gebäude, die Mehrheit der Krankenhäuser ist älter als 50 Jahre alt. So erstaunt es nicht, dass mehrere Menschen während der Corona-Pandemie bei Bränden in Intensivstationen von Krankenhäusern starben.

Extrem ist der Unterschied zwischen den Menschen, welche in einer Stadt, städtischen Umgebung und denjenigen, welche auf dem Land in Dörfern leben. Diese werden vom Staat schlichtweg vergessen bzw. hier wird gar nichts investiert. Diese Situation hat sich durch die Corona-Pandemie noch verschärft.

Seit seinem Besuch im Oktober 2013 reist Stefan Wagner regelmässig nach Rumänien, um sich ein immer wieder ein Bild vor Ort zu machen. Auch Mitglieder des Vorstandes sind schon nach Rumänien gereist. Die Besuche bestätigen sich immer wieder: Die arme Bevölkerung braucht Hilfe und Unterstützung.

Es ist für einen Schweizer sehr schwierig, die Zusammenhänge des korrupten Systems mit den Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Rumänien zu verstehen. Was in der Schweiz normaler Alltag ist, ist in Rumänien kompliziert, schwierig und fast nicht nachvollziehbar, noch weniger zu verstehen. In Rumänien muss das "Schweizerdenken" ausgeschaltet werden, um das System und das Leben in diesem Land ansatzweise zu verstehen.